Bericht
24 Stunden Rennen in Schötz – Schweiz
Von Manfred Prokop
Nicht das große Geld oder die Sucht nach Ruhm - sondern die persönliche Erfahrung 24 Stunden rennmässig dabei zu sein steht im Vordergrund. Die Herausforderung anzunehmen und alles daran setzen, das man es schafft, das ist ein enorm positives Erlebnis. Seine persönlichen Grenzen kennen lernen, oder wie der Weltrekordinhaber Pius Achermann aus Gunzwil sagt; lerne leiden ohne zu klagen, motivieren die über 110 EinzelfahrerInnen und die gegen 40 Teams.
Daß es in Schötz außer einem Diplom, einem Blumenstrauß und einem Erinnerungspreis und viel Applaus an der Siegerehrung am Sonntag-Abend nicht das große Geld zu gewinnen gibt, ist den Akteuren nicht wichtig. Hauptsache dabei sein. Die RennfahrerInnen lieben die einmalige Athmospäre in Schötz, das fanatische Publikum und die perfekte Rennorganisation.
Das ist das Motto, das der
Veranstalter auf seiner Homepage den Athleten auf den Weg mitgab!
Diesem ist nichts hinzuzufügen.
Der RSC
Klausen-Leopoldsdorf war heuer bei dem 24 Stunden von Schötz mit 4 Mann
vertreten. Dieses Rennen ist in der Zwischenzeit zum Klassiker unter den 24
Stundenrennen gewordenen. Nach dem Soloantritt von Fegelin Franz im Vorjahr,
konnte er heuer auch Gerhard Hahn, Manfred und Günther Prokop für dieses
Rennen gewinnen. Die Mannschaft war heuer erstmals mit einem Wohnmobil zu einem
24 Stunden Rennen angereist. Da Franz Fegelin im Vorjahr blauäugig von
seinem ersten Besuch in der Schweiz zurückgekommen war, wusste er die
Aufforderung vom Veranstalter ( welche er auf seiner Homepage veröffentlicht
hat) erst richtig zu deuten.
Auf der Homepage ist folgendes zu lesen:
Eindrücke Fahrerlager
Was sich
jeder Zuschauer leisten sollte, ist ein Blick in die Fahrerlager der Akteure.
Hier wird massiert, verpflegt, gefachsimpelt, geschlafen, gelitten, vorbereitet
usw. Besonders in der Nacht erlebt man hier unvergessliche Eindrücke.
Überwältigt von dem
professionellen Auftritt der heimischen Teilnehmern, waren wir alle sehr
verunsichert, ob wir hier überhaupt etwas zu suchen haben. Wir hatten alle
Hände voll zu tun, uns bis Samstag 16:00 Uhr für den Start fertig zu machen.
Der Veranstalter lud mittags zu einer Nudelparty ein, welche wir auch
geschlossen besuchten. Leider zu unserem Bedauern - denn Franz, Günther und Ich
mußten in der Nacht deswegen öfters vom Rad, um den aufgenommen Ballast wieder
los zu werden. Ob es nun wirklich die Spaghetti waren oder andere Umstände, die
uns des öfteren vom Rad holten und zu minutenlangen Sitzungen auf den stillen
Örtchen zwangen, sei dahingestellt. Auf alle Fälle litten wir alle unter
massiven Verdauungsproblemen, was uns leider Runde um Runde kosteten.
Schon am Start erlebten wir unsere blauen Wunder. Nachdem wir uns zu einem Foto
zusammengestellt hatten, hatten wir einen Startplatz so ziemlich in der letzten
Reihe. Startschuß: Die erste Runde war sehr schnell. Ich versuchte bis an die
Spitze vor zu fahren, was bei einer 10 km Runde ein ziemlich schwieriges
Unterfangen war. Trotzdem gelang es mir bei der ersten Ortsdurchfahrt von
Schötz alle andern Teilnehmer hinter mich zu lassen. Ich fuhr mit 99%igem
Einsatz in die letzte Kurve, als plötzlich ein Schweizer bei mir vorbeifuhrt.
Noch bevor ich mir ausmalte konnte, wie dieser es schaffen will, noch schneller
durch diese Kurve zu kommen, verabschiedete sich sein Hinterreifen mit einem
lauten Knall! Aus sein Traum - ich war Erster bei der ersten Zieldurchfahrt!
Durch das hohe Tempo in der Anfangsphase rutschten aber Franz und Günther
aus der Spitzengruppe raus. Sie fuhren daraufhin ihr eigenes Tempo um nicht
vorzeitig ihr Pulver zu verschießen. Das Rennen war noch jung. Nach den ersten
Runden war ich verwundert, daß im Ortsgebiet von Schötz immer so extrem scharf
gefahren wurde. Ich stellte mir die Frage, ob vielleicht ich daran Schuld bin,
daß es im Ortsgebiet immer so zur Sache ging. Ich versuchte nämlich immer
unter den ersten durchs Ziel zu fahren. Daraufhin ließ ich mich ein wenig
zurückfallen um mich aus dem Rampenlicht zu halten. Es änderte aber nicht viel
an der Sache - das Rennen blieb schnell. Nach einigen Stunden lockerte sich das
Spitzenfeld auf, die ersten Überrundungen standen an. So bekam ich auch wieder
meine Teammitglieder zu sehen. Die Nacht brach herein. Unsere Betreuer, Manfred
Schorn, Sandra und Heidi Prokop hatten alle Hände voll zu tun, uns regelmäßig
mit Nahrung und Flüssigkeit zu versorgen. Meine Kinder Dominik und Gabriel
waren erstmals auch bei einem 24h Rennen mit dabei, und freuten sich sehr, wenn
sie mich in der Spitzengruppe vorbei rasen sahen. Ich war total überrascht, wie
professionell die Schweizer ihrer Spitzenleute behüteten. Diese bekamen die
Verpflegung immer von anderen Radfahrern zugereicht - hatten immer einige
Schrittmacher vor sich, teilweise Telefonstöpseln im Ohr, und, und, und... .
Circa bei km 250 hörte ich bei einem Anruf vom Lokalmatador Pius Achermann
mit - es sagte: "Es gehe ihm noch gut, aber ein Österreicher sitze
ihm noch immer im Genick!" Dieses Problem erledigte dich aber bei
Kilometer 280 von alleine, da ich dann das erste mal aufs Örtchen
mußte, die Spaghetti vom Nachmittag wieder abzugeben. Selbes Spiel wiederholte
sich in dieser Nacht noch des öfteren. Zusätzlich begann es in der Nacht noch
heftig zu regen, was mir zusätzlich Probleme bereitete. Ich fiel immer weiter
zurück, weil ich die Nahrung die ich zu mir nahm, nicht verwerten konnte. Um
8:00 Uhr morgen schrieb ich das Rennen endgültig ab und wollte eine
Trainingsfahrt daraus machen. Nachdem ich das Frühstücksbüffet vom
Veranstalter genoß und sich das Wetter besserte faßte ich neuen Mut. Ich zog
mir trocken Kleidung an und ab nun fing das Rennen für mich
nochmals neu an. Jetzt fuhr ich wieder sehr schnelle Rundenzeiten und ich holte
kontinuierlich Platz für Platz auf. Um die Mittagszeit stieg ich nochmals kurz
vom Rad um warme Nahrung aufzunehmen. Zu dieser Zeit mußte mein Bruder Günther
das Rennen wegen Knieproblemen leider beenden und Franz war auch schon sehr
K.O.(wegen seinen Magenproblemen). In den letzen beiden Stunden kam ich mit
einer sehr schnellen Gruppe zusammen. Ich rief meinen Betreuern zu, noch 3
Runden zu fahren! Da es mir aber zum Ende hin immer besser ging, wurden aus
meinen 3 prophezeiten Runden 7 Runden. Ich brachte es trotz meiner Probleme auf
777 km.
Ich hatte zwar mein Ziel, die 803 km von der Silberreiher-Trophy 5 Wochen zuvor,
einzustellen verfehlt, aber in Anbetracht der Umstände war es doch noch ein
gelungenes Rennen. Gerhard Hahn überraschte uns alle! Er ging das Rennen
anders an als ich. Gerhard fuhr das ganze Rennen durch, stieg nur einmal für
ca. 10 min von Rad um Kleider zu wechseln und fuhr somit 2 Runden, sprich 20 km
weiter als ich. Er kam mit seiner Taktik, sich nicht vom Tempo der anderen
verleiten zu lassen, sichtlich besser zu Rande als ich. Gratulation!
Gratulation auch an die
Veranstalter!
Dieses Rennen werden wir sichern noch öfter besuchen! Da rund um die Uhr
hunderte Zuschauer an der Strecke stehen und die Athleten anfeuern, ist es ein
Vergnügen sich eine solche Strapaze anzutun!
Ergebnisse der einzelnen Kategorien findest du hier oder auf der Homepage
des Veranstalters.