Die längsten 12 Stunden meines Lebens
Von Sven Lintschinger
Mitterberg (Steiermark)
Samstag 10. August 2002, 08.00 Uhr
Startschuss zum 12 Stunden Radmarathon für Rennräder und Mountainbikes. Am Start 51 Einzelfahrer und 48 Staffelfahrer.
Für alle, die dieses Rennen noch nicht kennen, es ist mit Sicherheit eines der härtesten 12 Stunden Rennen Europas, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt. Auf einem 14,6 km Rundkurs sind pro Runde 250 Höhenmeter mit bis zu 12% Steigung zu überwinden. Um zu siegen sind in der Regel über 6000 Höhenmeter zu fahren.
Für mich war es eine besondere Herausforderung, da ich noch nie so lange auf dem Rad gesessen bin. Meine längsten Radausfahrten beschränkten sich bisher auf 4 1/2 Stunden. Wichtig für mich war bei diesem Rennen kein Spitzenplatz, der aufgrund des starken Teilnehmerfeldes (Paul Lindner, Seriensieger bei allen Radmarathons in Österreich und Martin Griessner, 10. Platz beim Race across the alps) auch nicht möglich war, sondern nur die 12 Stunden möglichst problemlos durchzufahren.
In den ersten Runden wurde das Feld ziemlich stark auseinandergerissen, da die Teilnehmer des gleichzeitig stattfindenden 6 Stundenrennens ein ganz anderes Tempo fahren konnten wie die 12 Stunden Fahrer.
Ich ließ mich jedoch auf kein Risiko ein und fuhr mein eigenes Tempo und staunte nicht schlecht, als ich die ersten Runden unter 35 Minuten fuhr.
Nach vier Stunden war es jedoch dann soweit, ich musste das erste mal vom Rad absteigen. Ich hatte leichte Probleme im linken Oberschenkel, die sich jedoch nach einer Massage von meinem Betreuer Markus Rieß sehr verbesserten.
Nach einer Pause von 15 Minuten begab ich wieder auf die Strecke und erfuhr, dass ich zwischenzeitlich auf dem 9. Platz lag.
Die folgenden Stunden waren sehr hart, da ich den Großteil des Rennens alleine fuhr und auch starke Knieschmerzen auftraten. In dieser Zeit wurde ich jedoch von Markus sehr gut motiviert, er versorgte mich jede Runde mit einer vollen Trinkflasche und Verpflegung und fuhr auch jede Runde einen Teil der Strecke neben mir auf dem Rad.
Um 16.00 Uhr war meine Motivation am Tiefstpunkt angelangt und ich musste erneut 20 Minuten pausieren. Nach einer erneuten Massage, einem belegten Brot und ein paar Schluck Cola begab ich mich in die letzten vier Stunden.
Ich schloss auf Holzhofer Edi vom Radteam Lautner Heizung auf, einem Bekannten der auch von Markus betreut wurde, und wir fuhren drei Runden gemeinsam, was eine große Erleichterung war, da zeitweise starker Gegenwind herrschte.
Es stellte sich jedoch heraus, dass ich schneller fahren konnte als er und so fuhr ich die letzten drei Runden wieder alleine.
Um 19.00 Uhr fuhr ich zum letzten mal an Start und Ziel vorbei und begab mich in die 19. Und letzte Runde. Dies war ein sehr schöner Augenblick da wir zu Beginn des Rennens immer von mindestens 15 Runden sprachen und als ich schließlich um 19.40 Uhr über die Ziellinie fuhr war ich zwar einerseits ziemlich erledigt, aber auch sehr sehr stolz auf meine Leistung.
Ich fuhr 19 Runden, das ergibt 277,4 km, 4750 Höhenmeter bei einer Brutto-Fahrzeit von 11:40:25 und erreichte mit dieser Leistung den 13. Platz.
Meinen größten Dank möchte ich Markus Rieß aussprechen, der mich das ganze Rennen bestens betreute und motivierte.
Ein weiteres Dankeschön auch an Hr. Johann Leitner, Geschäftsleiter Intersport Eybl Vösendorf, der mir das Firmenauto (Seat Van) zur Verfügung stellte.
Sven Lintschinger