Mi 15.06 Race Across America 2011 hat begonnen!

12.55 Uhr Ortszeit Oceanside, CA. Das lange warten hat ein Ende, die Vorbereitungszeit ist endlich vorbei. Christoph rollt die Startrampe herunter und macht seine ersten Pedalumdrehungen beim RAAM 2011.

Vom Atlantik aus geht's innerhalb der ersten 80 Meilen auf ein Hochplateau mit gut 1000 Höhenmetern. Auch die Temperatur ändert sich von 25°C mit starker Bewölkung am Start, nach ein paar Meilen auf 40°C mit Sonnenschein.

Das Team hat sich auf die Fahrzeuge Pace Car, Media Car und Wohnmobil aufgeteilt.


Christoph kennt den Abschnitt rund um die Time Station 2 (TS2) so gut wie auswendig, denn dieses Gebiet nutzte er für seine Vorbereitung für das Rennen. Kurz vor der Mojave Wüste und nach ca. 234km hat sich die Startnummer 377 sein Gesichtstuch umgelegt um sich vor dem Sandsturm zu schützen. Die unerträgliche Hitze bleibt ihm dabei erspart, denn bei Sonnenuntergang und aufgehenden Vollmond radelt der Steirer quer durch die Wüste, obwohl der Thermometer zur Ortszeit 20.00 Uhr immer noch 35°C anzeigt.


Also, auf geht’s in die erste Renn-Nacht beim Race Across America 2011.

Gefahrene Kilometerstand: 234km
Platzierungen TS2:
1. Strasser - 6h 23min
2. Baloh - 6h 26min
3. Gulewicz - 6h 28min

Do 16.06 Sonnenaufgang bei TS5 - Salome
Die erste Renn-Nacht beim Race Across America 2011 führte den Österreicher von Brawley über Blythe nach Salome. Bei angenehmen Rückenwindverhältnissen und 33°C nützt Christoph, neben dem Radfahren, die Zeit um Rätsel und Quizfragen von seiner Betreuercrew zu beantworten. Diese Unterhaltung dient ihm, auch in der Nacht konzentriert und motiviert zu bleiben. Während aus dem Lautsprecher des Pace-Cars hippe Musik ertönt, erreicht die Startnummer 377 um 3.50 Uhr den Bundesstaat Arizona.

Auch die Nahrungsaufnahme läuft problemlos, er trinkt im Schnitt 1l Flüssigkeit/Stunden und nimmt 500kal/Stunden zu sich. Im Morgengrauen holt ihn zwar ein wenig die Müdigkeit ein, doch der Sonnenaufgang um 7.50 Uhr in Salome trägt ihn in den zweiten Renntag


Gefahrene Kilometerstand: 551km
Platzierungen TS5:
1. Baloh- 15h 56min

2. Strasser - 15h 56min
3. Gulewicz - 16h 33min


Zwischen TS 5 Salome und TS 6 Congress beginnt mit einem beeindruckenden Sonnenaufgang auf einer 30km langen Geraden der neue Tag.  Ab 6.00 Uhr Früh Ortszeit wird die Betreuung auf Leap Frog umgestellt. Dabei wird Christoph nur vom Straßenrand aus betreut. Das Pace-Car fährt ein Stück voraus, bereitet alles vor was Christoph benötigt und übergibt es ihm dann im Vorbeifahren. Bei der von Christoph noch stetig hoch gehaltenen Geschwindigkeit absolvieren die Betreuer ein gutes Sprinttraining. Diese Art der Betreuung muss Tagsüber noch bis nach Kim in Colorado (Kilometer 1900) praktiziert werden.

Der wunderbare Sonnenaufgang wurde dem Betreuern mit der wahrscheinlich komfortabelsten Time-Station beim Race Across America 2011 in Congress versüßt. Dort wartete ein Swimmingpool, frischen Grapefruits und Kaffee. Christoph ist auch für einige Sekunden vom Rad abgestiegen um sich seiner wärmeren Nachtbekleidung zu entledigen. Ab Congress wandelt sich die flache Wüstenlandschaft zu hügeligeren Passagen. Christoph fühlt sich in den Bergen wohl und kennt die Strecke. Er fährt sein Tempo und schafft es dabei seine Mitstreiter gut in Schach zu halten. Die Müdigkeit nach der ersten Nacht ohne Schlafpause kommt und geht. Erst nach dem harten Anstieg Richtung TS 8 Cottonwood stoppt Christoph um den ersten kurzen Powernap zu genießen.


Gefahrene Kilometerstand: 775km


Fr 17.06 Von Congress nach Cottonwood
Nach einer kurzen Schlafpause von 5 bis 10 Minuten radelt Christoph wieder mit vollem Akku auf den Straßen Amerikas. Um 12.50 Uhr Renn-Zeit, 20 Kilometer vor Kayenta (TS11), macht Christoph Kilometer um Kilometer auf Marco Baloh gut. Die kurze Schlafpause zeigt Wirkung, denn der momentane Speedunterschied zwischen Christoph und Marco ist mit freien Auge ersichtlich. In der Zwischenzeit ist die zweite Renn-Nacht beim Race Across America 2011 eingebrochen. Unmittelbar vor TS 11, um 1.30 Uhr, kann der junge Steirer in einem direkten Duell den momentan Führenden Baloh auf der Strecke einholen, jedoch wissen beide, dass das Rennen erst in der 2. Hälfte des RAAM beginnt.

Die Landschaft, die sich in der zweiten Rennnacht bei 22°C und nahezu kugelrunden Mond darbietet kann man sogar in der Nacht genießen. Das Monument Valley durfte Strasser 2009 zwar bei Sonnenaufgang betrachten, doch das früherer passieren dieses Streckenabschnitt darf für den Rennverlauf in diesem Jahr doch kein Nachteil sein. Während unser Lieblingsrennradfahrer an Abstand zu Marco gewinnt, scheint ein weiterer Österreicher nach hinten zu verlieren. Der bislang noch drittplatzierte Gulewicz fällt auf Platz vier zurück und Alberto Blanco rückt auf Platz drei vor. Zwischen Kayenta und der Time-Station 12, Mexican Hat, wird der 3. Bundesstaat bei diesem Rennen erreicht. Exakt bei der TS 12 legt Marco Baloh seine erste Ruhepause ein, während Christoph noch einen weiteren Streckenabschnitt, nach Montezuma Creek TS 13 bezwingt. Kurz vor 6.00 Uhr wird alles im Wohnmobil für die erste richtige Schlafpause vorbereitet damit Christoph kurz darauf nach ärztlichen Untersuchungen seine Augen für ein paar Momente schließen kann. Nach einer Stunde wachte er sogar von alleine auf und setzt sich erneut auf sein Rennrad.


Nach der ersten Schlafpause von einer Stunde in der zweiten Nacht des Race Across America 2011 radelt Christoph im bereits vierten erreichten Bundesstaat. In der bereits bewältigen Strecke des Rennens, kann der Steirer innerhalb von 3 Tagen neben Küstengebiet, Wüste und Steppe im Monument Valley in Colorado nun auch schneebedeckte Gebirgszüge der Rocky Mountains verbuchen. Von der TS 16 in Pargosa Springs bis zum Fuße des Wolf Creek steigt es gleichmäßig an, in der sich das Gebiet zu einer gewohnten mit Nadelwald bedeckten Landschaft verändert. In der Zwischenzeit ist auch der Abstand zu Marco Baloh, weiterhin gewachsen ist, was jedoch kein Grund wäre das Tempo zu verringern. Erst am tatsächlichen Anstieg zum Wolf Creek Pass reduziert Christoph seine Leistung da er dieses Teilstück und den mit 3300m höchsten Berg der gesamten Strecke noch von seiner Teilnahme 2009 fürchtet. An diesem Teilstück begann damals sein Leiden. Dieses Jahr zeigt er auch in diesem Abschnitt seine gut Form. Christoph erreichte um 18.30 Uhr Renn-Zeit den Pass. Nach der Bergabfahrt legte er jedoch kurz vor TS 17 in South Fork eine verdiente 20 minütige Schlafpause ein.  

Gefahrene Kilometer: 1544km


Sa 18.06 Einsame Fahrt im wunderschönen Nichts.

Die weitere Strecke führt von der TS 17 in South Fork, Colorado über weitere kleine Pässe in die dritte Nacht des Rennens. Den Cuchara Pass, der ungefähr auf 3028m Höhe liegt, erreicht Christoph um ca. 1.00 Uhr Renn-Zeit. Dabei kommt es zu einer erfrischenden Temperatur von 3°C. Hin und wieder wird das Team von einem Betreuerfahrzeug des Konkurrenten Marco Baloh besucht, bzw. beobachtet, der sich doch schon einige Meilen hinter Straps befindet. Um 4.00 Uhr legt er in Trinidad, Colorado (1817km) seine zweite große Schlafpause von ca. 1,5 Stunden ein. Während der Pause wird von seinem Physiotherapeut seine Muskulatur gelockert, eingecremt und mittels Lasertherapie eine Haut- und Wundbehandlung durchgeführt. 

Noch immer gut gelaunt geht Christoph zurück auf den letzten Streckenabschnitt mit Leap Frog (Betreuung vom Straßenrand). Da wegen der etwas längeren Schlafpause mittlerweile die letzte Time Station vor mehr als 6 Stunden erreicht und keine Benachrichtigung an den Racer Headquarter geliefert wurde, sprachen die Offizials eine Verwarnung und zum Glück kein Penalty aus. Die Streckenführung zwischen der TS 20 (Trinidad, Co) und TS 21 (Kim, Co) zeigt wie so oft eine wunderschöne Landschaft.


Gefahrene Kilometer: 1850km

 

So 18.06 Half Way Point – 2405km to go

Nach einer kurzen Pause von ca. 20 Minuten in Ulysses bei TS 23 (2129km), der sich bereits im 5. Bundesstaat (Kansas) befindet, zogen um ca. 19.00 Uhr Wolken auf und der leichte Seitenwind wandelte sich überraschend zu immer stärker werdenden Seiten- und Gegenwind. 

 

 

In Montezuma, KS (1228km) wurde der Sturm immer Ärger. Laut eines Offizials des RAAM und der Radio-Sturmwarnungen, wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 100km/h gemessen. Die Natur hat anscheinend bei der Entscheidung des RAAM 2011 auch ein Wörtchen mitzureden. Diesmal hatte der Steirer dennoch Glück, denn der Sturm zog nach 2-3 Stunden Richtung Nord-Ost weiter. Um 5.00 Uhr früh legte Christoph in Greensburg (TS25-2316km) seine dritte Schlafpause für 1,5 Stunden ein um einerseits bei 38°C weiter durch Kansas zu treten und andererseits sich auf kleine emotionalen Höhepunkte vorzubereiten. Am Vormittag erreichte er seinen persönlichen Ort des Grauens. Bei TS 26 in Pratt (2367km) wurde Christoph bei seiner ersten Teilnahme 2009 ins Krankenhaus eingeliefert und musste das RAAM 2009 mit einer schweren Lungenerkrankung beenden. Eine kleine Genugtuung mit wie viel Energie er 2011 dieses Teilstück erreicht. 35 Kilometer weiter um 12.45 Uhr erwartet Christoph schon der zweite kleine emotionale Augenblick des Tages, denn der RAAM11-HALF WAY POINT (2405km) wurde als führender des Rennens mit einem Vorsprung von ca. 4,5 Stunden zu Marco Baloh erreicht.

Motto für die 2. Hälfte des Rennens: “Angriff ist die beste Verteidigung“

Gefahrene Kilometer: 2405km

1. Strasser (AUT)
2. Baloh (SLO)
3. Blaco (USA)

Mo 19.06 Weiterhin spannender Rennverlauf
Bis lang hat sich Christophs Motto für die zweite Hälfte des Rennens noch nicht wirklich bezahlt gemacht, denn der Vorsprung zu Marco Baloh hat sich nicht wirklich vergrößert. Der letzte Streckenverlauf bis zur TS 31 in Weaubleau im Bundesstaat Missouri (2851km) verlief nicht gerade aufregend. Das für eine hügelige Landschaft bekannte Gebiet bietet zwar wunderschöne Spots für Landschaftaufnahmen, doch der Kurvenanteil im Streckenverlauf bleibt nahezu bei null. Marco Baloh dürfte mittlerweile sein Tempo erhöht haben denn der Rückstand auf Christoph wurde in den letzten Teilabschnitten etwas kleiner.

Gefahrene Kilometer: 2851km


Durch die unterschiedlichen Schlafpausen der Konkurrenten kann der Abstand zueinander nicht exakt bestimmt werden, doch das erfreuliche ist, dass Christoph ab der Time Station 31 in Weaubleau die Zeit wieder gut machen konnte, die er auf den Zweitplatzierten Baloh verlor. Der Rhythmus von einer 1,5 Stunden anhaltenden Schlafpause funktioniert tadellos, denn Chris ist laut seiner Meinung „zu Faul zum Schlafen“. Und außerdem habe er Glück, dass er nach dem Aufwachen erst dann wieder voll bei der Sache ist, wenn er bereits am Rennrad sitzt. Dadurch bekommt er nie die Möglichkeit sich zu Überlegen, ob er überhaupt wieder aufsteigen sollte.


Die Wegführung der letzten Teilstrecke die von Camdento (TS 32 - 2930km) über Jefferson City (TS 33 – 3022km) bis nach Washington (TS 34 – 3146km) führte, ähnelt sehr dem steirischen Hügelland. Der Unterschied liegt dabei jedoch bei den Temperaturen von ca. 34°C und enorm hoher Luftfeuchtigkeit. Mittlerweile ist Christoph bei der Teil Station 35 in Mississippi River (3262km) angekommen. Für ihn ist es enorm Wichtig, dass folgende RAAM-Weisheit kundgetan wird: „Die Strecke von Oceanside nach Mississippi dient beim Race Acriss America nur als Prolog – Das Rennen startet erst danach.“ Ein einziger Vorteil für Christoph ist dabei, dass er aus der Pole Position starten darf.

Gefahrene Kilometer: 3262km

   

Di 20.06 „He is a machine!“
Die Fahrt vor und nach der Time Station 35 (Mississippi River Bridge) war für Christoph alles andere als eine eintönige Landschaftsfahrt, denn beim Streckenabschnitt zwischen TS 34 und TS 35 musste eine Baustelle umfahren werden, die von netter Kleinstadtatmosphäre direkt auf eine stark frequentierte Stadt-Tangente führte und das bereits bei Finsternis. Der weitere Rennverlauf in der Nacht führte über Greenville in Illinois (3337km) nach Effingham (3416km) und verlief wie bereits tagsüber konstant. Christoph konnte erneut seinen Vorsprung auf Marco Baloh leicht ausbauen. Mit Hilfe seiner Betreuer-Crew kämpft Straps ohne Probleme gegen die Müdigkeit an. Das einzige Leiden das Christoph mit sich schleppt sind Sitzprobleme, das ist auch der Grund, dass er gerne stehend sein Rennrad bewegt. Bei der Time Station 39 in Bloomington (IN) wurde der führende des Race Across America 2011 herzlichst von einigen Fans und dem RAAM Media Team begrüßt, was ihn zusätzlich motivierte. Mittlerweile sind von den 5000 Kilometer nicht einmal mehr 1000 übrig geblieben und dem knackigen Steirer geht es noch immer blendend und amüsiert mit einigen Aussagen sogar die Offiziellen des RAAM, die hin und wieder kopfschüttelnd laut denken:“He is a machine!“. Er hat einen derzeitigen Vorsprung auf Marco Baloh von ca. 11,5 Stunden. Obwohl sein Ziel vor dem Start des Rennens ein Durchkommen unter den ersten 3 Platzierten war, greift er mit seiner derzeitigen Durchschnittszeit den Streckenrekord an. Er wird sein Leistung aber mit Sicherheit nicht darauf kontrollieren.

 

Mi 22.06 Die letzten 500 Meilen beim RAAM11


In der letzte Nacht holte Christoph die Müdigkeit ein, denn die komplizierte Streckenführung von Greensburg in Indiana (3743km) über Oxford im Bundesstaat Ohio (3823km) zur TS 42 in Blanchester (3903km) kostete sehr viel Kraft. Daraufhin wurde die Schlafpause bereits früher eingelegt. Nach 6 Tage und 18 Stunden geht es dem Steirer den Umständen entsprechend sehr gut (er kann zumindest noch herzhaft lächeln. Seine leichten Knie- und Sitzproblemen sind nach dieser Belastung leicht zu erklären. Die vom Schlafdefizit kommenden Durchhänger und Desorientiertheit belasten ihn zwar in dem Moment wo sie auftreten, amüsieren ihn jedoch im Nachhinein sehr. Mittlerweile hat sich Straps einen komfortablen Vorsprung von 13 Stunden und 5 Minuten erarbeiten können. Seine Verfolger befinden sich innerhalb von 40 Minuten. In den letzten Streckenabschnitten warten jedoch noch einige Brocken, denn unter anderem kommt noch die längste Bergfahrt in Ellenboro und weitere zu absolvierende Höhenmeter.

Gefahrene Kilometer: TS 44 Athens - 4092km


Do 23.06 Die letzten Stunden beim RAAM 2011
In der letzten Nacht im Rennen versuchte Christoph noch den im Jahr 1986 aufgestellten Durchschnittsgeschwindigkeitsrekord von Pete Penseyres (3107 Meilen - 15,4mh) und den im Jahr 1992 von Rob Kish (2911 Meilen - 8 Tage 3 Stunden 11 Minuten) aufgestellten Gesamtzeitrekord anzugreifen. Doch die Höhenmeter der letzten Time-Stationen des RAAM 2011 wollen mit den 20 statt sonst üblichen 90 Minuten Schlafpause nicht funktionieren. Sein Körper ist zu sehr ermüdet um eine konstante Leistung zu bringen.

Nichts desto Trotz genießt Christoph die letzten Stunden beim RAAM 2011, obwohl es ihm scheint, als ob der Weg nie zum Ziel führen würde. Die restliche Strecke des Race Across America 2011 leitet den jungen Steirer noch durch Rouzerville (TS 50 – 4598km) und Hanover (TS 51 – 4663km) in Philadelphia, durch Mt Airy (TS 52 – 4722km), Odenton (TS 53 – 4785km) und Annapolis (TS 54 – 4801km) in Maryland/Pennsylvania. 

 

 

Fast genau um Mitternacht (genau am Freitag 24.06 um 0.03) treffen Christoph und die Betreuercrew im Ziel ein.