Im Vorfeld war ich mir nicht sicher, ob ein 24h Rennen eine Woche nach dem RATA überhaupt sinnvoll sei. Ich habe von verschiedenen Seiten Rat eingeholt, mich aber dann spontan aus dem Bauch heraus entschieden nach Kelheim zu fahren.
Bei den lockeren Trainings unter der Woche fühlte ich mich nämlich schon wieder sehr gut, und ich wollte meine sehr gute Form noch „ausnützen“.

So stand ich dann bei herrlichem Wetter am Start in Kelheim. 
Ich spekulierte mit einem Spitzenplatz, obwohl ich nicht wusste wie sich die kurze Erholungszeit auswirken würde. Der Schweizer Thomas Ratschob, Sieger von 2005, würde wohl mein größter Konkurrent werden.

Nach dem Start wählte ich wie immer ein mittleres Tempo, um mich warmzufahren und nicht gleich meine Kräfte zu verschleudern. Nach etwa zwei Stunden holte ich den schneller gestarteten Ratschob ein, und fuhr anschließend mit ihm einige gemeinsame Runden.
Der 17 km lange Rundkurs war sehr anspruchsvoll: Direkt nach der Start/Ziel – Durchfahrt war ein Anstieg mit etwa 180 Höhenmetern zu bewältigen, die Abfahrt war eher flach und der Rückweg nach Kelheim wurde durch starken Gegenwind erschwert.
Es gab wenige Möglichkeiten sich zu erholen.

Nach etwa fünf Stunden setzte ich am Berg Tempoverschärfungen an, Ratschob konnte mich auf der Abfahrt aber immer wieder mit einer schnellen Gruppe einholen. Schließlich schaffte ich es aber mich von ihm zu lösen und die Führung zu übernehmen. Ich legte in der folgenden Phase noch sehr schnelle Runden hin (nach sieben Stunden fuhr ich die schnellsten Runden aller Einzelfahrer) wodurch mein Vorsprung größer wurde. In den sternenklaren Nachtstunden konnte ich Thomas während seiner kurzen Pause überrunden, was mir noch einen zusätzlichen Motivationsschub verlieh. Die Nacht fuhr ich ohne Unterbrechung durch, bis ich schließlich um 8 Uhr morgens einen kurzen Stop einlegte, um meinen von den süßen Getränken und Riegeln beleidigten Magen mit Nudeln zu verwöhnen. Probleme hatte ich bis dahin nur mit der Müdigkeit, die mich bei Tagesanbruch überkam. Einige Male sind mir dabei die Augen zugefallen und ich hatte mit Sekundenschlaf zu kämpfen. Mit mentaler Stärke und ein paar Schlucken Cola und schwarzem Tee konnte ich auch dieses beiseite schieben.
Von da an waren die Positionen quasi bezogen, die letzten Stunden waren wieder sehr angenehm. 
Mittlerweile waren die Fans entlang der Strecke wieder voll da: Die Stimmung dort war dermaßen wild, dass man ohne Übertreibung glaubte bei der Tour de France einen Alpenanstieg zu fahren. In Reihen standen die Fans am Straßenrand und feuerten die Fahrer mit Sirenen, Gashupen, lauter Musik und der Laola-Welle euphorisch an. Einige liefen sogar neben den Fahrern her und boten ihnen Wasser, Traubenzucker und (alkoholfreies?) Bier an. Das mit dem Bier hab ich angenommen, aber zwecks Alkohol bin ich mir nicht so sicher, da ich anfing mit meinem mp3-player zu singen. Ich denke das war aber die Vorfreude über meinen ersten Sieg, den mir jetzt wohl niemand mehr nehmen konnte.

Ein skurriles Detail muss ich noch unbedingt erwähnen: Bei der Zieldurchfahrt muss jeder Fahrer kurz stehen bleiben und sein Rad über ein Holzbrett heben, während er mit dem Chip an der Hand die Runde erfassen lässt. Störend war diese Sache allerdings nicht, denn man konnte sich bei jeder Durchfahrt von den Fans feiern lassen und einen Blick auf die aktuellen Zwischenstände werfen. 

Die 46. und letzte Runde war ein genussvoller Triumphzug und ein Abschiednehmen von den tollen Fans. Mit erhobenen Händen fuhr ich um 13.35 ins Ziel und konnte es noch nicht so recht fassen. Mit 760 zurückgelegten km (es summierten sich dabei etwa 8300 Hm) stellte ich neuen Streckenrekord auf, und ließ den Zweiten eine Runde und 10 Minuten hinter mir.
Nach der Siegerehrung aß ich dann endlich Bratwürstl mit Krautsalat, worauf ich schon seit Stunden Appetit hatte (Mir war mitten in der Nacht so übel von all dem Süßen, dass ich schon überall versuchte Essiggurkerl herzukriegen – erfolglos), und freute mich über das Erreichte.
Der einzige kleine Wermutstropfen war, dass ich und meine beiden Betreuer Phil und Mike die Kamera vergaßen, weswegen es keine guten Fotos gibt. Aber man kann nicht alles haben – entweder gute Fotos oder gewinnen!

Wie geht das eigentlich? Eine Woche nach dem „Race across the alps“ so ein Rennen so gut zu fahren und auch noch zu gewinnen?
Ich informierte mich über geeignete Untersuchungen, über die aussagekräftigen Blutwerte (CK- Wert, Harnstoff,…) und wollte schon zum Arzt gehen um mich untersuchen zu lassen. Was ich gar nicht wollte, ist in Kelheim abzusteigen und eine langwierige Überbelastung „aufzureißen“. 
Doch all das war mir zu stressig, das Feiern war mir noch etwas in den Blutadern, und so beschloss ich keine Untersuchung zu machen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es klappen würde, und darauf höre ich am liebsten.
Ich trainiere ja auch ohne Trainingspläne („Wenn dir jemand einen TR-Plan gibt, dann verbrenn ihn sofort, denn ansonsten verbrennt er dich!“), ich höre nur auf meinen Körper.
Also wird das in diesem Fall doch auch das richtige sein…
Ein anderer Punkt ist, dass ich beim RATA nie am Limit war. Das klingt jetzt ziemlich großkotzig, doch der Erfolg in Kelheim ist der Beweis. Wenn man nach einem Extremradrennen wirklich total ausgelaugt ist, wäre eine Woche danach keine Höchstleistung möglich.
Der letzte Punkt ist das viele Grundlagentraining im Winter. Ich gebe hier nicht preis, was und wie viel ich trainiere, aber es ist eine alte Radfahrerweisheit, dass die Form des Sommers bereits im Winter gemacht wird.

Mein nächstes Saisonziel ist das 24h Rennen in meiner Heimat, in Fohnsdorf. Dort möchte ich nach den Plätzen 9, 7, 3, 2 in den letzten vier Jahren heuer ganz oben stehen. Ein Sieg vor heimischem Publikum wäre das schönste!

Wenn alles so weitergeht, ist in zwei Jahren die Teilnahme am „Race Across America“ sehr realistisch. Bis dahin erwarten mich aber noch ein paar Trainingskilometer, die ich aber sicher liebend gern abspulen werde.