24h
Kraftwerk Trophy 2005 Theiß/Krems
14.-15. Mai
Die Kraftwerk-Trophy in Theiß war mein erster
großer Wettkampf in diesem Jahr.
Mein Gefühl vor dem Start war sehr gut. Immerhin hatte ich seit Ende Oktober
schon sehr viele Trainingskilometer in den Beinen, war viele Bergtouren und
leistete mir ein zweiwöchiges TR-Lager auf Lanzarote.
Das erste Rennen heuer im April verlief auch schon sehr gut: Der 200 km Brevet
in Mödling brachte mir den 4. Rang bei einem starken Starterfeld.
Gleich nach dem Start in Theiß beschloss ich ein schnelleres Tempo
anzuschlagen,
denn dass ich mein eigenes Tempo 24h lang durchfahren kann, wusste ich seit
meinem dritten Platz in Fohnsdorf vom Vorjahr. Ich fuhr also auf Risiko, einen
späteren Einbruch riskierend. Es gab einige Fahrer, die einen Weltrekord
aufzustellen versuchten, dementsprechend hoch war das Tempo.
Die ersten Stunden ging alles wunderbar, solange die Beine gut sind, hat man im
Kopf ja sowieso keine Probleme. Die äußeren Bedingungen waren allerdings
schwierig, da ein ständiger, starker Wind wehte. Trotzdem war ich bei den
ersten Zwischenwertungen auf dem zehnten Rang platziert, was mich weiter
motivierte das recht hohe Tempo zu halten.
Die ersten Probleme kamen in der Nacht auf mich zu: Es begann zu regnen, was
mich zu einigen Pausen zwang, in denen ich meine Kleidung wechseln musste.
Mittlerweile waren auch schon die 12h Fahrer aus dem Rennen, deshalb wurde das
Tempo sowieso etwas niedriger. Es fehlten nun einfach die schnellen
Staffel-Fahrer, die stets für guten Windschatten gesorgt hatten. Ich pendelte
mich einige Stunden auf ein Bummeltempo ein. Oft fuhr ich mit anderen Kollegen
plaudernd nebeneinander her. Wir waren langsam, durchnass, und total
demotiviert. Mittlerweile war ich mir schon sicher, den guten Platz aufzugeben,
und nur mehr die Zeit totzuschlagen. Mein Wille war erschöpft.
Es ging aber auch sehr vielen anderen schlecht, Franz Venier zum Beispiel fuhr
noch langsamer als ich, und immer mehr Einzelfahrer gaben auf. Irgendwann
mitten in der Nacht fuhr ich auf einmal neben meinem Teamkameraden Manfred
Prokop, was dem ganzen Rennen die entscheidende Wendung gab: Manfred konnte
mich wieder motivieren, gab mir etwas zu essen und nahm mich in seinen
Windschatten. Ich wollte ihn nicht enttäuschen, er ist ja einer der besten
Langstreckenfahrer Österreichs. Ich zeigte mich von meiner besten Seite und
folgte ihm. Manfreds Hinterrad war nun eine Stunde lang das einzige was ich
sah, gemeinsam mit den Wasserspritzern, die es auf mich abgab.
Nach dieser überwundenen Krise wurde das Wetter besser und allmählich brach
der
neue Tag an. Ich hielt das hohe Tempo und musste nur mehr einmal für fünf
Minuten vom Rad, um die Regenkluft auszuziehen und meinen Magen mit Spaghetti
anzufüllen. Die restlichen Stunden fuhr ich mit erstaunlich guten Beinen durch
und erkämpfte mir zwei Runden vor Schluss sogar noch den siebenten Gesamtrang.
Im nachhinein betrachtet bin ich mit dem Ergebnis überglücklich, ich hätte
nie
geglaubt, dass so viele bekannte Fahrer, wie etwa Christopher Hopkins (startet
heuer beim RAAM), hinter mir sein würden.
Die Verpflegung hat auch gut geklappt, die Laktatsenker und das Basengetränk
habe ich gut vertragen, nur von den Power-Riegeln ist mir am Schluss so
schlecht geworden, dass ich die letzten 3 Stunden ohne Essen fahren musste,
ansonsten hätte ich vom Rad gekotzt.
In der Altersklasse 1 (bis 40 Jahre) bin ich sogar vierter und hinter Alex Gepp
der zweitbeste Österreicher.
Nun heißt es für mich aber schnell regenerieren und dann mit voller
Konzentration auf das größte und schwierigste Rennen meiner jungen
"Rad-Karriere" vorbereiten: am 8. Juli starte ich als jüngster
Teilnehmer beim
RATA (Race across the alps)!