Sensationeller
2. Platz für Christoph Strasser
Das 24h-Rennen in Fohnsdorf stand wieder vor
der Tür, und ich fühlte mich nicht besonders toll. Das RATA spürte ich noch
leicht, vor zwei Wochen hatte ich mir beim Surfen die Schulter ausgekugelt, und
vor einer Woche war ich mit leichtem Fieber zwei Tage im Bett. Aber ohne an die
vergangenen Wochen zu denken und ohne nur ein bisschen zu jammern, bereitete ich
mich bestmöglich vor. 2004 hatte ich hier meinen ersten Stockerlplatz geholt,
dieses Ergebnis wollte ich verteidigen.
Hier ist noch ein kurzer Rückblick auf das Rennen im Vorjahr:
Ich startete langsam, war nach Halbzeit um den zehnten Platz klassiert. Die
Bedingungen waren angenehm, leichten Regen gab es nur in den frühen
Morgenstunden. Meine Taktik begann zu greifen: Ich schaffte es tatsächlich mein
Tempo zu steigern (meine schnellste Runde fuhr ich in der letzten Stunde) und
ohne auch nur ein einziges mal kurz abzusteigen durchzufahren. Ich machte Platz
um Platz gut, und konnte in der letzten Stunde mit einem Endspurt noch den
dritten Platz ergattern. Essen, Trinken, Umziehen und auch Pinkeln erledigte ich
alles am Rad. Mein erstes richtig gutes Ergebnis!
Das Teilnehmerfeld war meiner Meinung nach bislang das stärkste, Bernhard
Aldrian gewann vor Thomas Jaklitsch, hinter mir war Alexander Gepp auf Platz
vier!
Heuer waren Jaklitsch (Verletzung) und Gepp (hat ein tolles RAAM als achter
hinter sich) nicht am Start, dafür aber ein anderer Top-Fahrer: Dammerer Peter
aus Krems startete im Einzel, nachdem er heuer im Zweier-Team das RAAM gewonnen
hat. Gegen ihn rechnete ich mir absolut keine Chancen aus, auch Aldrian war
wieder dabei.
Ich beschloss diesmal von Beginn an etwas schneller zu fahren, denn ich wollte
wieder einen guten Platz holen und etwas riskieren - es ist ja mein Heimrennen!
(Ich werde hier schon zum dritten mal vom RC Napiag unterstützt, die das
Startgeld übernehmen und immer für super Verpflegung, Massage und Mechaniker
sorgen, weshalb ich auch teilweise mit deren Trikot unterwegs war)
Ein paar Minuten vor dem Start begann es dann
stark zu regnen. Das Wetter blieb stundenlang schlecht, was zur Folge hatte,
dass die Strecke beinahe unbefahrbar wurde. Vor allem die Passage, wo die Fahrer
ca. 30m (mit einer schwierigen Kurve) in der Wiese fahren mussten, wurde zur
Katastrophe. Der Boden verwandelte sich zu einer Schlammgrube, wo speziell die
Rennradfahrer riesige Probleme hatten. Die vielen Mountainbiker verteilten noch
dazu den ganzen Dreck auf der gesamten Strecke, sodass jede Kurve noch gefährlicher
wurde. Die meisten Kurven in der Abfahrt mussten im Schritttempo gefahren
werden, was wiederum zur Folge hatte, dass bei fast allen die Bremsbeläge nach
ein paar Stunden verbraucht waren. Ich ließ die Bremsen nachziehen, hatte aber
keine Reservebeläge mitgenommen.Ich hatte schon ganz schlimme Bedenken, wie ich
das Rennen überhaupt zu Ende bringen sollte. Nach genau fünf Stunden (ich lag
an guter dritter Stelle) unterbrach die Rennleitung das Rennen und ließ die
Schlammpassage von der freiwilligen Feuerwehr sanieren. Die Pause dauerte schließlich
zwei Stunden, die mir ganz gut taten. Es war genug Zeit zum Duschen, Essen,
Massieren lassen und Umziehen. Zum Glück konnte ich auch noch neue Bremsbeläge
auftreiben: Hössi hat mir seine Reservebeläge gegeben, sodass auch dieses
Problem behoben war. Danke!
Mit voller Motivation ging es dann um 21.00 Uhr weiter, und es besserte sich
auch das Wetter! Leider blieb die Strecke noch einige Stunden feucht und
dreckig, was noch zu zahlreichen Stürzen führte. Mich erwischte es auch
zweimal in der Start-Ziel-Haarnadelkurve! Es blieb aber bei einer recht
harmlosen Schürfwunde, die mich am weiterfahren nicht weiter hinderte. In der
Folge trocknete die gesamte Strecke, und ab Mitternacht ließen sich sogar die
Sterne blicken. Ich fand einen guten Rhythmus, und fuhr die Nacht problemlos
durch. Mittlerweile war ich auf den zweiten Platz vorgestoßen, da die anderen
Einzelfahrer alle pausierten. Bis zum Vormittag schien die Situation ziemlich
klar: Bernhard Aldrian war mit etwa 5 Runden klar in Führung, an zweiter Stelle
lag ich, und hinter mir kündigte sich ein Kampf um Platz drei an, zwischen
Leitner Heimo und Dammerer Peter, die beide zwischen 3 und 5 Runden hinter mir
lagen.
An dieser Situation änderte sich auch bis zum Ende nichts wesentliches mehr.
Aldrian kontrollierte das Rennen souverän von der Spitze aus und ich war nur
mehr bestrebt meinen zweiten Platz zu halten. Hinter mir wurde es spannend, bis
sich schließlich Dammerer kurz vor Schluß noch den dritten Platz holte. Die
letzte Stunde war nur mehr zum "Genießen". Ich fuhr mit dem Führenden
gemeinsame Runden und wir genossen es, den "Arbeiterheim-Hügel"
hinauf zu sprinten. Falls man dieses Tempo nach 23h noch als Sprint bezeichnen
kann. Die Stimmung war an dieser Stelle in den letzten Stunden wieder
unglaublich: bei blauem Himmel waren laut Platzsprecher 1000 euphorische
Zuschauer anwesend, die mit Gashupen, Trommeln, Ratschen und Anfeuerungsgeschrei
für eine unvergessliche Atmosphäre sorgten. Es war so laut, dass ich kein Wort
mehr verstand, was mir mein Bruder zurief. Mir lief es hier jede Runde kalt über
den Rücken. Genau das ist es, was das Rennen in Fohnsdorf so besonders und
unvergesslich macht!
Das genaue Resultat gibt es unter www.sport-timing.at
Hier gibt es ein Video mit vom Anstieg Arbeiterheim zu sehn. Download
2,8MB (Fohnsdorf2005.mov)